Ein Wort zum Sonntag

von Pastorin Anke Diederichs

Exaudi

heißt der Sonntag zwischen Himmelfahrt und Pfingsten. Er hat seinen Namen von Psalm 27,7 „Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe.“  

„Ist da jemand, ist da jemand“ heißt es in einem Popsong, der im letzten Jahr in einem Konfirmationsgottesdienst als Einstieg in die Predigt gespielt wurde und diese Sehnsucht, dass da mehr ist zwischen Himmel und Erde, in Worte und in Musik fasst. Die Sehnsucht nach einem, der wie ein liebender Vater, wie eine liebende Mutter oder ein Freund mich sieht, beschützt, mir hilft, die richtigen Wege im Leben zu finden und mich am Ende meines Lebens erwartet. Wie kann diese Sehnsucht in Hoffnung und Zuversicht verwandelt werden? In dem man zu ihr steht und sie anderen mitteilt, sie mit anderen teilt. Das ist nicht einfach. Das ist schwer, denn da kommen die Themen „Abschied“ und „Trauer“ ins Spiel.

Nun war er weg. Jesus hatte sich von seinen Jüngern verabschiedet und war in den Himmel aufgefahren. Seine Jünger blieben auf der Erde nicht mit einer Leere zurück, sondern mit einem Versprechen Jesu. Er versprach „den Tröster“ zu schicken, den Heiligen Geist. Statt Leere war da Erwartung auf die Erfüllung eines Versprechens.

Nun war er weg und ich hatte mich nicht verabschieden können. Mein Großvater starb überraschend an einem Herzinfarkt, als ich 17 Jahre alt war. Ein Großvater, der mich liebte und mich das spüren ließ. Er war einfach weg und meine Großmutter blieb in unendlicher Trauer zurück. Bei etlichen Besuchen teilte ich ihre Trauer: den täglichen Gang auf den Friedhof und das anschließende Verweilen auf einer Bank. Meine Großmutter wiederholte ganz oft den Gedanken: `Ich wäre so gerne bei ihm im Himmel.´ Ihre Sehnsucht erlebte ich so eindrücklich, dass ich anfing, an den Himmel zu glauben und viele Jahre mich mit dem Gedanken tröstete: `Wenn ich mal im Himmel bei Gott bin, dann kriegt der von mir was zu hören. Wie konnte er Opa so unvermittelt zu sich holen und uns keine Zeit zum Abschiednehmen lassen?´ Ich weiß, das klingt naiv. Aber es hat geholfen.

Später, als Theologiestudentin, begegnete ich den Jesus-Geschichten vom Reich Gottes neu. Ich hatte sie in Kindergottesdiensttagen mit Interesse gehört. Nun dachte ich dabei auch immer wieder an diese Situation: Mit Oma auf der Bank auf dem Friedhof und unsere geteilte Sehnsucht nach dem Himmel.

Die Liebe Gottes umfasst alles und alle. Sie ist immer da, öffnet den Blick für die Zukunft (Hoffnung) und schenkt Kraft, neue Wege zu wagen.

Schon beim Propheten Jeremia lesen wir von dieser Hoffnung und Gewissheit: Jer.31,31 „Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, da will ich mit dem Hause Israel und dem Hause Juda einen Bund schließen…“. Jer. 31,33:“…ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben und sie sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein.“  (Predigttext für Exaudi 2020: Jeremia 31,31-34).

Ein neuer Bund, nicht mehr gegründet auf Gebote und Gesetz sondern auf die Liebe. Eine Verbindung mit einem Gott, der liebt und vergibt, der barmherzig ist und gütig.

In diesen Tagen wird das Grab meiner geliebten Großeltern aufgelöst. Aber die Beiden leben in meinem Herzen weiter und ich bin ihnen sehr dankbar für diese Erfahrung.

Nun leben wir schon 11 Wochen mit Corona-Bedingungen. Die ganze Welt wurde auf den Kopf gestellt. Immer noch erfahren wir jeden Tag über neue Nöte, die entstanden sind, aber auch über die Chancen, die diese weltweite Krise bietet.

Ich hoffe und bete, dass die Verantwortlichen nicht nur eine brummende Wirtschaft im Blick haben, sondern ein Herz für den Planeten und für die vielen Menschen am  Rande, derer wir in den Sonntagsgottesdiensten in der Fürbitte gedenken. 

„Gott, gib uns die Gelassenheit, Dinge hin zu nehmen, die wir nicht ändern können, den Mut, Dinge zu ändern, die wir ändern können und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“ (EG 822)

Anke Diederichs, Pastorin in Ritterhude und Scharmbeckstotel.