Ein Wort zum Sonntag

von Pastorin Anke Diederichs

Liebe Gemeinde!

Weihnachten, das wunderbare Fest der Liebe liegt schon wieder mehr als 3 Wochen hinter uns. War es in diesem Jahr überhaupt wunderbar? Bei den ganzen Einschränkungen durch die Corona-Regeln? Mit den ganzen Sorgen und Ängsten? Für viele Menschen ist Weihnachten das wichtigste, höchste Fest des Jahres. Da hat man Zeit. Zeit, Menschen zu begegnen, sich zu beschenken, zu genießen: das Essen, die Gespräche, das Zusammensein. Die Sorgen und der Alltag werden für ein paar Tage vergessen. Weihnachten: einfach ein wunderbares Fest.

Auch der Predigttext für den 2.Sonntag nach Epiphanias hat es mit einem Fest zu tun. Und mit einem Wunder. Es ist die Geschichte von der Hochzeit zu Kana, Johannes 2, 1-11. 

1.Es war eine Hochzeit in dem Ort Kana in Galiläa, am See Genezareth, und die Mutter Jesu war auch da. 2.Jesus aber und seine Jünger waren auch zur Hochzeit eingeladen. 3. Und als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu zu ihm: „Sie haben keinen Wein mehr.“ 4. Jesus spricht zu ihr:“ Was geht es dich an, Frau, was ich tue? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. 5. Seine Mutter spricht zu den Dienern: „Was er sagt, das tut.“ 6. Es standen aber dort sechs steinerne Wasserkrüge für die Reinigung nach jüdischer Sitte, und in jeden gingen zwei oder drei Maße (1 Maß = 40 l, 1 Krug = 100 l). 7. Jesus spricht zu ihnen: „Füllt die Wasserkrüge mit Wasser.“ Und sie füllten sie bis oben an. 8. Und er sprach zu ihnen: „Schöpft nun und bringt´s dem Speisemeister.“ Und sie brachten´s ihm. 9. Als aber der Speisemeister den Wein kostete, der Wasser gewesen war, und nicht wusste, wo er herkam – die Diener wussten´s, die das Wasser geschöpft hatten-, ruft der Speisemeister den Bräutigam 10. und spricht zu ihm: „Jedermann gibt zuerst den guten Wein und, wenn sie betrunken werden, den geringeren; du aber hast den guten Wein bis jetzt zurückbehalten.“ 11. Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat, geschehen in Kana in Galiläa und er offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn.

Einer Hochzeitsgesellschaft geht der Wein aus. Das Fest droht zu platzen. Aber da ist die Mutter Jesu, die alles im Blick hat und ihren Sohn mit der besonderen Gottesbeziehung genau kennt. Der wird dafür sorgen müssen, dass das Fest weiter geht.  So beginnt der Evangelist Johannes über den Anfang von Jesu öffentlichem Auftreten zu erzählen. Jesus sorgt dafür, dass Wasser sich in Wein verwandelt und das Fest weitergehen kann.

Wie kommt die Geschichte bei uns an? Spaltet sie uns als Zuhörer und Nachdenkende in drei Gruppen? Die einen sagen „Das glaub´ ich nicht. Jesus ist kein Hexenmeister. Solche Wunder gibt es nicht“ Die anderen sagen „Doch, das muss man einfach glauben. Gottes Sohn vollbringt Wunder, die man nicht erklären kann und darf. Man muss sie einfach glauben.“ Und die Dritten begreifen die zeichenhafte Sprache von Johannes, und was er damit über den Glauben an Gott, der Mensch wurde in Jesus Christus, erzählen wollte.   

So wie die Frau, die erzählt: „Lange bin ich wie ein Krug Wasser vor der Tür gewesen, wenn ich mich selbst in der Geschichte sehe. Gebraucht zum Reinigen und zum Erfrischen. Ich war für andere da, als Mutter, als Ehefrau, als Ehrenamtliche. Wasser ist für alle da. Wasser ist lebensnotwendig. Ich war für alle da. Ich wurde gebraucht. Aber das war nicht das Leben für mich. Wer war ich? Der Glaube an Jesus, ja, Jesus hat mich verwandelt. In einem mühsamen Prozess habe ich meine Gefühle entdeckt und ernstgenommen, gerade die dunklen und chaotischen wie Wut und Leidenschaft, Zorn und Trauer, und ich wurde verwandelt. Wie Wasser zu Wein. Heute erlebe ich mich wie ein Krug Wein auf dem Fest des Lebens.“ Das bewirkt Glauben, das Vertrauen in Gott.

Glaubenssprache ist Zeichensprache. „Gott hat mich in die Zange genommen, aber ordentlich! Und ich hatte es sehr nötig!“ So sprach eine ältere Dame während einer kurzen Begegnung und liess mich mit Fragen zurück. Hatte sie wirklich erst im Alter durch eine schwere Krankheit die Lebendigkeit Gottes erfahren oder vielleicht wieder nach einer langen Zeit ohne Gott. Man kann auch gut ohne einen Gedanken an Gott leben. Wie die Gäste auf der Hochzeitsfeier. Sie fragten nicht nach der Herkunft des Weins. Sie feierten einfach weiter. Nur die Diener und die Jünger Jesu sahen, was Jesus tat.

Aber, was tat er? Zuerst meckerte er seine Mutter an. Es ist nicht gesagt, welche Rolle sie auf dem Hochzeitsfest spielte. Vielleicht war sie da als helfende Hand. Sie hatte jedenfalls den Überblick. Der Wein ging aus. Ohne Wein wäre das Fest zu Ende gewesen. Maria wusste sich zu helfen. Sie wusste um Jesu besonderen Auftrag, wusste, dass er als Gottessohn Wunder bewirken kann. Jesus reagierte abwehrend: „Was geht es dich an, Frau, was ich tue. Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“

Die Mutter ließ sich nicht beirren. Sie vertraute auf Jesus und sagte zu den Dienern: „Was er sagt, das tut.“ Das ist der Mittelpunkt der Geschichte. „Vertraut auf sein Wort!“ Und was sagte Jesus? „Füllt die Wasserkrüge mit Wasser!“ Das war Alltagsarbeit, das Füllen der riesigen Wasserkrüge, die an jedem Hauseingang standen. Für die Gäste zum Reinigen und Erfrischen, zum Füße waschen. Während des Festes waren wohl auch sie leer geworden. Sie mit Wasser zu füllen, das war richtig Arbeit. Da mussten die Diener viele Male laufen. Zum Bach oder zum Brunnen. Eine richtige Schlepperei. Eigentlich nichts Besonderes. Sie mussten nichts Unmenschliches vollbringen, damit das Fest weitergehen konnte. Sie erledigten quasi ihre Alltags- Aufgabe. Wasser holen macht nicht unbedingt Spaß und kann auch anstrengend sein, aber es macht das Leben erträglicher. Heute sagen wir dazu: Die Diener sind systemrelevant. So wie die Menschen, die die Lieferketten am Laufen halten. Damit in Corona-Zeiten keiner Hunger, Durst und Mangel erleiden muss.

Das Wasser wurde aus den Wasserkrügen in Weinkrüge umgefüllt. Der Speisemeister prüfte und schmeckte besten Wein. Das Fest war gerettet. Man kann das Wunder nicht erklären, aber wir alle haben Erfahrungen im Leben gemacht, für die dieses Bild vom Wasser, das zu Wein wird, für uns verstehbar und erfahrbar geworden ist. Lebensnotwendiges Wasser wird zu einem kostbaren Getränk. Wer hat sich nicht schon mal durstig über ein Glas Wasser gefreut oder hungrig über ein einfaches Butterbrot? Wenn Hunger und Durst gestillt werden, wenn Mangel gestillt wird, wird das Leben zum Fest. Gott will, dass wir das Leben schätzen und genießen. Jesus will, dass das Fest weitergeht. Wenn man sich bemüht, wenn man nicht aufgibt, wenn man für den Alltag sorgt, dann können Wunder geschehen. Dann kann das Fest des Lebens weitergehen. Das erzählt die Geschichte von der Hochzeit zu Kana.

Das Corona-Virus hat die Welt in der Zange, fest im Griff. So viele Feste konnten nicht gefeiert werden. So viele Künstler erleben sich als systemirrelevant. Viele Menschen müssen viel Wasser schleppen, um den Alltag erträglicher zu machen. Diszipliniert sein, einen Rhythmus finden. Was für eine Herausforderung für die Pflegenden. So viele müssen dafür sorgen, dass andere die Krankheit durchstehen können. Was für eine Herausforderung für die Familien, die ihre Kinder nicht in die Kita oder in die Schule schicken können. Was für eine Herausforderung für die Kinder und Jugendlichen auf ihre sozialen Kontakte zu verzichten. Man kann schon sagen: was für eine elende Wasserschlepperei ist das mit den Corona-Regeln zu leben.

Viele erzählen aber auch von positiven Dingen. Wie sie lernen, das kleine Glück zu entdecken und zu schätzen.- „Vielen Dank! Es war sehr schön!“ sagte unser Gast am Ende des Geburtstagsbesuchs. „Ich habe lange nicht mehr so viel gelacht. Das haben wir wohl Corona zu verdanken.“ Wir hatten nur in kleiner Runde zusammengesessen und uns tatsächlich viel zu erzählen gehabt und viel gelacht. `Wie wunderbar, diesen Dank zu hören´, dachte ich nur. Denn ich gehöre leider nicht zu denen, die Witze erzählen können und gute Stimmung machen. Die Fröhlichkeit war einfach entstanden.

Wunder können immer wieder passieren. Auch in Corona-Zeiten. Für uns Christen sind sie Geschenke von Gott. So wie unser Leben ein Geschenk von Gott ist, der uns in Jesus gezeigt hat, wie wir miteinander leben können.

Mit einem Gebet (Lied EG 557) möchte ich schließen: „Unser Leben sei ein Fest, Jesu Geist in unserer Mitte, Jesu Werk in unseren Händen, Jesu Geist in unseren Werken. Unser Leben sei ein Fest an diesem Morgen und an jedem Tag.                          Amen.

Anke Diederichs,

Pastorin in Scharmbeckstotel und Ritterhude

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