Ein Wort zum Sonntag

von Pastorin Susanne Bömers

Wort zum Sonntag 20. Juni 2021

Vom Verlieren – Suchen –  Finden --- Und Sich-Freuen

Eine Freundin erzählt mir am Telefon, daß sie wieder einmal ihren Schlüssel verloren habe.

Das ist ein Drama bei ihr, ein wirklich wunder Punkt. Wie oft habe ich es selbst miterlebt – Panik bricht aus, der Schlüssel, wo ist er?? Glücklicherweise hilft oftmals ihr Sohn, den Schlüssel zu finden. Inzwischen wurde regelrecht eine Strategie „erarbeitet“: An dem Schlüssel befindet sich nun ein langes breites rotes Band, lang genug, um am Rand aus der Handtasche zu gucken, wenn der Schlüssel darinnen ist. So genügt vor dem Fortgang ein Blick – ist das rote Band zu sehen?

Welche Erleichterung, welche Befreiung ist bei dieser Freundin spürbar, wenn der Schlüssel – einmal wieder abhanden gekommen – wieder da ist. Gefunden! Alles in Ordnung!

Wenn es um ein Lebewesen geht – zum Beispiel ein Schaf, wie in dem Evangeliumstext, der diesen Sonntag gehört und bedacht werden wird (Lukas 15 – lohnt sich sehr, zu lesen!) – dann ist es noch ungleich schlimmer. Dem Tier – oder gar einem Kind… oder…- könnte etwas zugestoßen sein; es könnte sich verlaufen oder verletzt haben oder sogar den Tod erlitten haben. Panik kann ausbrechen, zumindest große Sorge. Aber da ist Hilfe: der Sohn, der Hirte, ein Licht….

Welche Erleichterung, welche Befreiung, wenn das Tier, der Mensch wieder gefunden wurde, was für ein Anlaß zur Freude! Man könnte es direkt zusammen feiern.

Was oder wen haben wir während der lang anhaltenden Corona-Krise verloren?

Da seien Freundschaften auseinandergebrochen, ist zu hören, Familien haben sich untereinander verstritten wegen unterschiedlicher Meinungen zu den von der Regierung verordneten Regeln, Verboten und Maßnahmen. Menschen sind verzweifelt aus Kontaktmangel oder wegen eines wirtschaftlichen Einbruchs oder gar Ruins. Migranten konnten nicht mehr sorgfältig betreut werden.

Manche haben ihr Vertrauen in die natürlichen Abwehrkräfte verloren, manche ihr Vertrauen in den Staat, manche wissen nicht mehr, welchen Nachrichten oder Informationen sie trauen können. Vielleicht haben wir auch ein Stück echte Toleranz verloren? Andere Meinungen, auch solche, die uns befremden, gelten zu lassen? Anzuerkennen, wie verschieden Menschen denken und wie verschieden ihre Erfahrungen sind? Sehr schlimm, wenn Menschen das Vertrauen in den Sinn ihres Lebens oder eine echte Lebensmöglichkeit verlieren…. ! Schlimm, wenn Menschen Sozialkontakte und die Freude an Kontakten verlieren und manchmal eher Angst vor Begegnungen mit anderen Menschen haben.

Was für eine Erleichterung, wenn Menschen endlich wieder zusammen sein dürfen – eigentlich ja etwas Ur-Menschliches. Und da ist Hilfe: andere Menschen, gute Gedanken, der große Hirte….

Was verloren ging, läßt sich oft, meist (?), wiederfinden.

„Suchet, so werdet ihr finden“, heißt es lapidar in der Bibel (Matthäus 7, 7)

Das ist oft leichter gesagt als getan. Und ist oft mit Arbeit verbunden. Da suchen, hier suchen; nachdenken- wo könnte es sein – wie könnte ich es machen – oder: wodurch könnte man neuen Mut, neue Zuversicht, neue Freunde, alte Kraftquellen, einen neuen Job, ein neues Zuhause… finden oder wiederfinden? Und – wo, wie finden wir Lebensfreude?? Darauf zielt es letztlich. Finde etwas, das Dir und anderen – euch – Freude bereitet. Vielleicht etwas, das schon da war – wieder belebt. Vielleicht etwas bisher unbekanntes, gewagt, entdeckt, gefunden.

Das wünsche ich Ihnen: „Werft euer Vertrauen nicht weg!“ (Hebräerbrief 10, 35):

Suchen --- Finden--- und dann die Freude!                   

Herzlich, Ihre Pastorin Susanne Bömers

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